In 2020 geförderte Projekte

In einer ersten Förderrunde unterstützt die Stiftung Atomerbe im Herbst 2020 fünf Projekte von örtlichen Bürger*innen-Initiativen und Umweltorganisationen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise um das Atommüll-Problem kümmern, mit jeweils 500 Euro.

Arbeitsgemeinschaft (AG) Schacht Konrad:
Konrad-Camp

Das ehemalige Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter wird seit Jahrzehnten zum tiefengeologischen Lager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll ausgebaut. Und obwohl seit über 40 Jahren immer mehr Fragen und neue Probleme zu diesem Projekt entstehen und Kritiker*innen und Expert*innen gleichermaßen von Unverantwortlichkeit sprechen, ist dieser Plan noch nicht vom Tisch. Die AG Schacht Konrad setzt sich ebenso lang kritisch mit der Lagerung von Atommüll auseinander – generell und speziell am namensgebenden Standort. Für den Sommer 2021 plant die AG ein Camp in unmittelbarer Nähe zur Schachtanlage. Mit mehreren Bündnispartner*innen, Umweltverbänden und weiteren Multiplikator*innen entsteht für zwei Tage ein buntes Zeltdorf, in dem über Workshops und weitere kreative Angebote nicht nur eine breitere Öffentlichkeit erreicht, sondern auch dem Informationsbedarf der örtlichen Bevölkerung Rechnung getragen werden kann.
Die Stiftung Atomerbe unterstützt das Konrad-Camp mit 500 Euro.


Atommüllreport:
Neuauflage von "Atommüll – eine Bestandsaufnahme für die Bundesrepublik Deutschland"

Der Atommüllreport ist ein Fachportal, das das Wissen über Atommüll und seine Gefahren bündelt und sichert, um es über viele Jahrzehnte zu erhalten und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung um einen verantwortbaren Umgang mit den strahlenden Hinterlassenschaften zu ermöglichen. Die Daten und Themen umfassen v.a. die Anlagen in der Bundesrepublik Deutschland, an denen Atommüll produziert oder gelagert wird, sowie die Verbringung von Abfällen innerhalb Deutschlands und in andere Länder. Die Daten und Themen des Portals werden kontinuierlich aktualisiert und ergänzt. Grundlage dieses etablierten und viel genutzten Tools ist die 272-seitige "Bestandsaufnahme Atommüll" der Atommüllkonferenz aus dem Jahr 2013. Diese wichtige Bestandsaufnahme wird in 2021 aktualisiert und überarbeitet und im Herbst auf einer Fachtagung präsentiert.
Die Stiftung Atomerbe unterstützt die Neuauflage mit 500 Euro.


Bürgerinitiative (BI) atomfreies Dreiländereck:
Protestmaterial

Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerkes Würgassen soll ein zentrales Zwischenlager für Atommüll entstehen. Die Bundesregierung plant, dass riesige Mengen mittel- und schwachradioaktiver Müll aus ganz Deutschland in Würgassen gesammelt werden. Anschließend soll er in das geplante Langzeit-Lager Schacht Konrad (s.o.) transportiert werden, welches in 2027 in Betrieb genommen werden soll. Der in einem fragwürdigen Auswahlverfahren festgelegte Standort ist dabei denkbar ungeeignet, da er in einer logistisch vergleichsweise sehr schlecht erschlossenen Region liegt – und zudem 132 Km entfernt vom geplanten Einlagerungsort Schacht Konrad. Atommüll-Transporte würden über kurvige, schlecht ausgebaute Straßen, durch enge Brückenunterführungen und zahlreiche Ortschaften erfolgen. Die BI atomfreies Dreiländereck wird entlang der geplanten Transportstrecken auffällige Plakatierungen anbringen, um eine breite Öffentlichkeit über die immense und unnötige Zahl an zusätzlichen Atom-Transporten zu informieren und weitere Mitstreiter*innen zu finden.
Die Stiftung Atomerbe unterstützt diese Information der Öffentlichkeit mit 500 Euro.


Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg:
Aktualisierung Zeitleiste Beluga-Schiff

Seit über 40 Jahren arbeitet die BI Lüchow-Dannenberg im Widerstand gegen die Atomanlagen in Gorleben. Unzählige Aktionen, Bündnisse und – nicht zuletzt – Erfolge sind ihr zu verdanken. Und auch wenn Gorleben mittlerweile nicht mehr im Rennen für den Standort für das deutsche Atommüll-Tiefenlager sein soll, streitet die BI erklärtermaßen und solidarisch mit anderen potentiellen Standorten weiter für das bestmögliche Lager für die strahlenden Hinterlassenschaften.
Seit 2013 erinnert im Zugangsbereich des ehemaligen Bergwerks ein Mahnmal daran, dass der Salzstock kein sicheres Lager für radioaktiven Müll ist. Hier steht die Beluga, das bekannte Schiff, das Greenpeace 20 Jahre lang für seine Aktionen nutzte. Hinter dem Schiff informiert eine Zeitleiste aus wetterfesten Planen über die AKW-Pläne der 1970er und 1980er Jahre, über die Standortauswahl zu Gorleben und über die großen Gefahren der Atomenergie-Nutzung sowie über den Anti-Atom-Protest. Da die letzten Jahre nicht dokumentiert sind und die Zeitleiste wie die Beluga ein wahrer Publikumsmagnet ist, wird die BI sie entsprechend aktualisieren und auf den neusten Stand bringen.
Die Stiftung Atomerbe unterstützt dieses Vorhaben mit 500 Euro.


BUND Hessen:
Klage gegen Castor-Transporte

Der BUND Hessen setzt sich seit über 40 Jahren für Umweltschutz in Hessen und darüber hinaus ein. Er forciert eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise, die auf ökologischen Grundlagen beruht und sozial gerecht ist. Im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energien setzt er sich mit den Gefahren von Atomkraft und Atommüll auseinander. Als gesetzlich anerkannter Umwelt- und Naturschutzverband verfügt der BUND über Beteiligungs- und Klagerechte und wehrt sich vor Gericht gegen umweltschädigende Vorhaben. So geschehen Anfang 2020, als der BUND Hessen beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) Widerspruch gegen dessen Genehmigung eingelegt hat, bis zu sieben Castor-Behälter mit Atomabfällen aus Sellafield in das Standortzwischenlager Biblis einzulagern. Insgesamt weist der Widerspruch 26 Sicherheitsmängel in der Genehmigung auf. Im September 2020 hat der BUND Hessen dann beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel Klage gegen den für Herbst 2020 angekündigten und mittlerweile erfolgten Castor-Transport erhoben. Obwohl der Transport schon gerollt ist, geht das Verfahren weiter. Im Erfolgsfall kann das Urteil große Auswirkungen auf künftige Castor-Transporte haben. Im Hauptsacheverfahren hat der BUND Hessen mit nicht unerheblichen juristischen Kosten zu rechnen.
Die Stiftung Atomerbe unterstützt diese Klage mit 500 Euro.